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2026 Kunst am Bau

Kunst am Bau schafft Orte mit Charakter. Von kultureller Identität über gesellschaftliche Haltung bis hin zu architektonischem Mehrwert

Frau Dr. Ingeborg Erhart, Vizerektorin für Kunst und Lehre/Vice-Rector for Art and Teaching – Akademie der bildenden Künste Wien – Academy of Fine Arts Vienna zeigt im folgender Zusammenfassung ihres Beitrages, warum Kunst im öffentlichen Raum Immobilien aufwertet, Menschen verbindet und Städte verändert und warum Kunst am Bau für moderne Bauträger unverzichtbar wird.

Zum Thema „Kunst am Bau“ verweist Frau Dr. Erhart auf die Deckeninstallation von Frau Pipilotti Rist im Jean Nouvel-Tower in 1020 Wien

1. Historische Wurzeln und Bedeutung von Kunst am Bau

Dr. Erhart eröffnet ihren Beitrag mit einem Rückblick auf Max Weiler, dessen Arbeiten im öffentlichen Raum seit den 1940er‑Jahren beispielhaft zeigen, wie eng Kunst und Architektur verbunden sein können.

In der Nachkriegszeit dienten Kunst‑am‑Bau‑Projekte nicht nur als Einnahmequelle für Künstler*innen, sondern verliehen schnell errichteten Gebäuden Individualität und kulturelle Identität.

2. Kontinuität, Wandel und Erhaltungsfragen

Die Künstlerin Andrea Lüth dokumentierte ab 2010 Weilers Werke in ihrem Projekt „Me, Myself & Max“ und stellte damit zentrale Fragen rund um den Erhalt von Kunst am Bau:

  • Was geschieht mit Kunstwerken bei Sanierungen oder strukturellen Veränderungen?
  • Wer trägt Verantwortung für die Pflege und Sichtbarkeit?
    Die Problematik reicht von unzugänglichen Arbeiten in Krankenhäusern bis zu beschädigten Werken in Amtsgebäuden.
    Lüths eigenes Mural an einer Tiroler Schule (2021) visualisiert die „Auslöschung“ von Kunst symbolisch mit Bleistift und Radiergummi.

3. Kunst am Bau als soziales Bindemittel und Ausdruck gesellschaftlicher Haltung

Moderne Bauträger – etwa die Neue Heimat Tirol – verstehen Kunst am Bau heute als:

  • Ausdruck von Verantwortung für den öffentlichen Raum
  • Mittel zur Förderung sozialer Identität
  • Beitrag zu moderner Baukultur
    Kunst wird damit zum integrativen Element, das über ästhetische Aspekte hinaus gesellschaftliche Werte vermittelt.

Dr. Ingeborg Erhart, Vizerektorin der Akademie der bildenden Künste, Wien

4. Temporäre Interventionen und internationale Sichtbarkeit

Neben permanenten Werken gewinnen temporäre Kunstformen an Bedeutung, etwa:

  • Katharina Cibulkas SOLANGE-Projekt, das weltweit feministische Botschaften auf Baugerüste bringt
  • Die Kampagne #Demokratie leben der Akademie der bildenden Künste Wien (2025/26), bei der Citylights und digitale Werbeflächen genutzt wurden.
    Diese temporären Interventionen nutzen Baustellen und öffentliche Werberäume, um auf gesellschaftspolitische Themen aufmerksam zu machen.

5. Kunst im öffentlichen Raum als urbanes Identitätsstiftungsprojekt

Die Institution KÖR Wien (Kunst im öffentlichen Raum Wien) fördert seit 2004 dauerhafte und temporäre Projekte, oft in Verbindung mit Wohnbau. Ziel ist es:

  • Stadtteile kulturell aufzuwerten
  • Den öffentlichen Raum als Ort der Debatte und Begegnung zu aktivieren
  • Kunst als kritisches, nicht-dekoratives Moment zu positionieren

6. Zusammenarbeit von Architektur und Kunst: Erfolgsfaktor für hochwertige Projekte

Erhart betont die Bedeutung frühzeitiger Kooperation zwischen Architekt*innen und Künstler*innen. Nur so lässt sich ein integratives Gesamtwerk schaffen, statt eines bloß „aufgeklebt“ wirkenden Kunstobjekts. Beispielhaft:

  • Ágnes-Heller-Haus Innsbruck (2023): Künstler Peter Sandbichler entwickelte ein monumentales Betonportal, inspiriert von Origami-Strukturen, das Leichtigkeit und Monumentalität verbindet.

7. Nachwuchsförderung und modulare Konzepte

2024 initiierte die BUWOG gemeinsam mit der Akademie einen Wettbewerb für junge Absolvent*innen zur Gestaltung modular einsetzbarer Foyers.

Das Siegerprojekt „Über den Lorbeer hinaus“ von Viktoria Morgenstern wird bereits an mehreren Standorten realisiert.

Die Arbeiten verbinden Architektur, Naturbezüge und Symbolik des Lorbeers (Selbstbewusstsein, Heilkraft).

8. Kunst als Marken- und Werteträger im Unternehmenskontext

Die BUWOG setzt in ihren Headquarters in Wien ebenfalls auf hochwertige Kunst, etwa mit einer sieben Meter hohen Lichtstele der Künstlerin Brigitte Kowanz.

Kunst wird hier Teil der Unternehmensidentität und ein Instrument zur kommunizierbaren Wertvermittlung.

9. Fazit: Kunst am Bau als wirksames Kommunikations- und Kulturgut

Dr. Erhart schließt mit einer zentralen Aussage:

Kunst am Bau bleibt ein kraftvolles Kommunikationsmittel, das sowohl Nutzer*innen als auch Passant*innen erreicht und herausfordert.

Weil sie im öffentlichen Raum präsent ist, muss sie sich intensiveren Diskussionen stellen als Kunst im Museum – und genau darin liegt ihr Potenzial:

  • zum Nachdenken anzuregen
  • Wahrnehmung zu schärfen
  • Alltag zu durchbrechen
    Für Bauträger*innen, Künstler*innen und Bewohner*innen ist Kunst am Bau daher ein wertstiftender und identitätsbildender Bestandteil moderner Architektur.

Die ungekürzte Version des Beitrages von Frau Dr. Erhart ist abrufbar über das DMH Immobilienportal unter diesem Link.


Weitere Informationen über Pipilotti Rist unter pipilottirist.net.

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