1. Sonderkonjunktur im Hospitality-Sektor
Die Hospitality-Branche erlebt aktuell eine außergewöhnlich starke Investitionsphase. Bereits 2025 hat die Transaktionstätigkeit in Österreich deutlich angezogen – ein Trend, der sich 2026 fortsetzen dürfte. Wien wird auf Fachkonferenzen inzwischen als Hoteltransaktions-Hauptstadt Europas bezeichnet. Zahlreiche prominente Deals – etwa Vienna Marriott Hotel, Grand Hotel, Ritz-Carlton oder das 25hours Hotel beim MQ – markieren erst den Anfang.
2. Warum boomt der Markt?
Attraktivität im Vergleich zu anderen Assetklassen
- Büro und stationärer Einzelhandel kämpfen mit Leerstand.
- Wohnbau bleibt herausfordernd.
- Hospitality, Logistik und Rechenzentren zählen zu den Gewinnern.
Marktdynamik zwischen Verkäufern und Käufern
- Verkäufer stehen teils unter Liquiditätsdruck.
- Käufer mit Cash nutzen die Gelegenheit.
- Preise (abseits von Trophy Assets) sind attraktiv.
- Besonders aktiv: Family Offices, Private Equity, HNWI.
- Institutionelle Investoren bleiben zurückhaltend.
Diese Kräfteverhältnisse werden voraussichtlich auch 2026 prägend sein.
3. Polarisierung des Marktes: Luxus vs. Budget
Ein Trend, der sich auch gesellschaftlich widerspiegelt: Luxus- und Budgethotels performen stark, während die Mittelklasse zunehmend unter Druck gerät.
Doch gerade die Mitte trägt den Markt – die Mehrheit der Hotels befindet sich im mittleren Segment. Entscheidend für deren Zukunft ist eine klare Positionierung:
- Wer sind die Zielgruppen?
- Welche Bedürfnisse haben sie?
- Wie wird das Hotel entsprechend ausgerichtet?

Christian Walter, Geschäftsführung PKF Hospitality GmbH
4. Kostenstrukturen und Innovation im Mittelklasse-Segment
Viele Mittelklassehotels kämpfen mit hohen Personalkosten. Die Antwort liegt in:
- Digitalisierung
- Automatisierung
- Robotik
Mitarbeitende werden zu Allroundern und übernehmen jene Aufgaben, in denen sie Maschinen überlegen sind. Innovation wird zum Wettbewerbsfaktor.
5. Megatrend Longevity
Longevity ist längst mehr als ein Buzzword – es ist ein globaler Megatrend. Wichtig ist jedoch fachliche Tiefe statt oberflächlicher Gimmicks. Eine Eisbade-Wanne allein macht kein Longevity-Hotel.
Große Chancen bestehen:
- im Alpenraum
- im mittleren Preissegment
- ein bis zwei Preisstufen unter Premium-Konzepten wie dem Lanserhof
Longevity-Hotels funktionieren zudem hervorragend abseits klassischer Tourismus-Hotspots. Neue Projekte sollten daher stärker auf:
- Visitor Economy
- Placemaking
setzen. Wien Tourismus zeigt hier bereits vorbildhafte Ansätze.
6. Branded Residences: Ein Wachstumsmarkt
Branded Residences entwickeln sich zu einem wichtigen Segment im Serviced Living.
Erste Beispiele in Österreich:
- Mandarin Oriental, Wien
- Six Senses, Kitzbühel
International – etwa in Florida oder Dubai – längst etabliert, besteht in Europa großer Aufholbedarf. Besonders im mittleren bis gehobenen Lifestyle-Segment liegt Potenzial.
7. Finanzierung: Licht und Schatten
- Refinanzierungen für Bestandshotels sind wieder gut möglich.
- Neuentwicklungen mit innovativen Konzepten stoßen bei Banken noch auf Zurückhaltung.
- Alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding und Tokenisierung gewinnen an Bedeutung.
8. Ausblick 2026: Ein Jahr voller Chancen
Trotz geopolitischer Unsicherheiten und Risiken wie der Vogelgrippe bleibt die Hospitality-Branche eine Wachstumsbranche.
Was es jetzt braucht:
- Zuversicht
- Visionen
- Mut zur Innovation
- Eine klare Anpackmentalität
Die Perspektiven für 2026 sind vielfältig – und ausgesprochen spannend.
Weitere Informationen zu PKF Hospitality finden Sie unter: www.pkfhospitality.com
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